FIFA und das Streitthema klassische Verteidigung

Taktisch oder klassisch? Diese Frage wird des Öfteren bei Online-Turnieren in FIFA gestellt. Die klassische Verteidigung spaltet derzeit die Community. In der eSport-Szene ist diese Verteidigungsart eher verpönt, denn oftmals wird sie als unfair eingestuft. Ein Relikt aus alten Zeiten, das für viele Profis abgeschafft oder gänzlich verboten gehört.

Seit einiger Zeit ist die klassische Verteidigung immer wieder ein Streitthema in der Szene. Stein des Anstoßes für die neuesten Ereignisse waren die vergangenen ESLM-Gruppenspiele, in der diese Art der Verteidigung benutzt wurde. Während manche Spieler damit gut fahren, kommen andere eSportler mit dieser Taktik überhaupt nicht klar. Auf Offline-Events und im Ultimate Team-Modus ist diese Art der Verteidigung verboten. Online kann die ESL jedoch wenig dagegen tun, weshalb ein offizielles Verbot nicht ausgesprochen wird.

Ein Problem, denn viele Spieler fühlen sich ungerecht behandelt, wenn die klassische Verteidigung gespielt wird. Der Unterschied zur taktischen Verteidigung ist gravierend. Denn sobald “klassisch” aktiviert wird, übernimmt die KI die Verteidigung. Das Pressing ist viel härter und die gegnerischen Spieler laufen aggressiver die eigenen Teammitglieder an. Im Umkehrschluss können aber auch einige der neuen Abwehraktionen nicht eingesetzt werden. Dennoch sei die klassische Verteidigung eine Wettbewerbsverzerrung. “Die Leute versuchen gar nicht mehr, ihre Verteidigung zu verbessern, sondern nehmen den einfachen Weg”, erklärt ESL-Meister Mohammed ‘mo_aubameyang’ Harkous.

Für Alexander ‘Bono’ Rauch ist diese Abwehrtaktik ein Ãœberbleibsel aus vergangenen Zeiten. “‘Früher’ konnte man auch nur so verteidigen: Man drückt eine Taste und der Spieler geht selbstständig auf den gegnerischen Spieler und sucht zum optimalen Zeitpunkt das Tackling”, erklärt Rauch. So bekäme man sehr viel eigene Abwehrarbeit vom Computer abgenommen, die man mit der “Taktischen Verteidigung” selbstständig planen muss.
Immer wieder taucht der Verdacht bei manchen Matches auf, weshalb sich die betroffenen eSportler nach den Matches rechtfertigen müssen, dass sie keine klassische Verteidigung benutzt haben. Wenn sie dann allerdings doch zum Einsatz kam, können sie nicht belangt werden. Eine unschöne und vor allem ungeklärte Situation. Aktuell sei es unmöglich für Betreiber wie die ESL, stichsicher zu überprüfen, wie jemand verteidigt und das ggf. zu ahnden, erzählt uns ‘Bono’. “Entsprechend geben die meisten Regelwerke für FIFA-Wettbewerbe, die online ausgetragen werden, eine Verteidigungsart auch gar nicht mehr vor, sodass es absolut legitim scheint, die Verteidigungsart für sich zu nutzen, die man selbst bevorzugt.”
“Irgendwann reicht es auch mir mal”

Im ESLM-Gruppenspiel zwischen Marvin Hintz und Kevin Assia wurde diese Situation ausgereizt. Beide spielten mit “klassischer Verteidigung”, mit dem schlechteren Ende für Hintz, der aus dem Turnier ausschied. Für ESLM-Halbfinalist Erhan ‘Dr. Erhano’ Kayman eine Folge der Verteidigungstaktik: In einem Facebook-Post erklärte er: “Unter ‘normalen’ Umständen wären die Chancen sehr hoch gewesen, dass sich mein Freund Marvin ‘M4RV’ Hintz als Zweitplatzierter für die Finals der ESL Meisterschaft qualifiziert…Ja…unter ‘normalen’ Umständen…”.
Die Antwort von Kevin Assia folgte nur wenig später. “Ich habe mir das jetzt lange genug angeschaut und irgendwann reicht es auch mir mal”, so Assia. Des Weiteren hätten bereits mehrere Spieler die klassische Verteidigung in Turnieren eingesetzt, da wäre Kayman keine Ausnahme, laut Assia. Getreu dem Motto: Wer im Glashaus sitzt, solle nicht mit Steinen werfen, schieben sich die Spieler Vorwürfe am laufenden Band zu. Das geht mittlerweile fast schon so weit, dass jeder Spieler, der sehr gut verteidigt, diesen Vorwurf erst einmal widerlegen muss. Eine unschöne Entwicklung, die ‘mo_aubameyang’ immer häufiger beobachtet. Doch das Problem ist eigentlich viel tiefgehender.
Voraussetzungen schaffen, um diese Einstellungen zu kontrolliert

Um diese Entwicklung aufzuhalten, müsste die ESL und auch EA SPORTS die technischen Voraussetzungen schaffen, damit besonders für Online-Matches diese Einstellungen kontrolliert werden können. Ein weiterer Punkt, den sich die Entwickler und die Veranstalter auf die Liste schreiben müssen, um den FIFA-eSport sicherer zu gestalten. Ob es in FIFA 17 schon so weit sein wird, bleibt offen. Derzeit fragt man sich sogar, ob es überhaupt einen Spectator-Modus geben wird. Doch um genau diese Diskussionen und Schuldzuweisungen zu reduzieren, braucht es stärkere Kontrollen und bessere Kontrollmöglichkeiten.

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